Ein ehrwürdiges, in Leder gebundenes Buch, welches sich im Besitz des Kaufmannes Walter Dillner befand, ist wohl das älteste Dokument. Bereits im Jahre 1796 hat hier der Organist Johann Gottfried Dillner die "Berechnungen sämtlicher Einnahmen und Ausgabe zur Unterhaltung der Feuerspritze zu Schlutup", welche von E. Hochlöblich Marstallgericht an Schlutup abgegeben worden ist gewissenhaft eingetragen!
Im heutigen Feuerwehrhaus in der Wesloer Straße befinden sich noch einige vergilbte Fotographien, die die damaligen Wehrmänner in langen weißen Kitteln mit schwarzen Knöpfen zeigen. Es waren fünf Leute, welche die Spritze bedienten, die in einen kleinem Häuschen auf dem Markt untergebracht war. 1820 gab es im Ort 80 Hausbesitzer die doppelt so viel wie die anderen Einwohner für die Erhaltung der Wehr bezahlen mußten, Witwer und Witwen erhielten eine Ermäßigung. Von 1822 führt G.W. Dillner das Buch fort, später F.Schullehn und Gottfried Propp. Auch die kleinsten Ausgaben sind eingetragen!
Bei einem Brande und beim probieren der "Spritze" wurden Zehrungskosten bezahlt. Oft gab es dabei Bier und den beliebten Brandwein. Auch zur Verfügung gestellte Prämiengelder sind bei den Einnahmen vermerkt. Bei einem Feuer wurden sofort die Sturmglocken geläutet und die Ältermänner schickten sofort reitende Boten nach Lübeck an den Marstall um Hilfe herbeizurufen. Alle Männer und Frauen wurden ohne Unterschied zu den Löscharbeiten herangezogen. Die Leitung lag in den Händen des Spritzenmeisters. Das größte Feuer, welches die alte Wehr zu meistern hatte, war der durch Blitzschlag hervorgerufene Brand im Jahre 1865 auf dem Kranzberg, dem 11 Gebäude zum Opfer fielen. Damals wurde die Spritze mit Hilfe eines Wasserwagens gefüllt, dafür wurden Ledereimer benutzt. Auch die wenigen kurzen Schläuche waren aus Leder zusammengenäht. Lang noch ist die Erinnerung an diesen schrecklichen Julitag im Orte wach gewesen und hat daraufhin bewirkt, daß am 1. Oktober 1881 die FF-Schlutup gegründet wurde. Treibende Kraft waren da de spätere Ehrenhauptmann H.Niemann, der Malermeister H.L.Dillner und J.Groth.
Eine Kommission wählt H.C.Dillner zum Vorsitzenden, der am 1.Jan.1882 stattfindenden Generalversammlung, deren Verlauf man heute noch im Protokollbuch einsehen kann, und auf welcher auch das polizeiliche Bestätigungsschreiben verlesen wurde. Die Versammlung wählte Dillner zum 1.Zugführer und obersten Führer der neuen "Wehr". 2.Zugführer wurde J.H.M.Böge und 3.G.Kreuzfeldt. Außerdem wurden sechs Spritzenmeister bestimmt. Der letzte der damaligen Gründer war der Ehrenzugführer Heinrich Barkenthin.
Am 14.05.1882, nachdem die Wehr in Sektionen eingeteilt war, wurde beschlossen, sie bei etwaigen Brandfalle in "Aktivität" treten zu lassen.
Am 16.08.1882 fand die Einteilung der Freiwilligen statt, für die die Gemeinde
510 RM bewilligt hatte. Jeder der 45 Männer erhielt seine "Effekten (das waren
1 Helm, 1 Bluse und 1 Leibgurt). Die Chargierten hatten die Freude, ihre
Abzeichen selber bezahlen zu dürfen.
Vier Tage später,also am 20.August 1882 begaben sich alle nach dem Marktplatz,
zur ersten Übung. Die Alten von der Pflichtfeuerwehr übergaben das
Spritzenhaus mit dem einzigen Gerät, einer Handdruckspritze. Wehmütig
meinte Pfensieg, einer der Weißkittel:"Gottschdonner, nu kamt deblanken Helms,
nu lat uns man gahn."
Branddirektor Muß aus Lübeck leitete die erste Ausbildung. Meistens wurde in der Senkung unterhalb des Lauer Weges geübt. Manches kräftige Wort fiel, ehe der Schliff in die aus allen Schichten stammende Männerschar hineingebracht war. Doch konnte der zur Inspizierung kommende Major a.D.Fink schon im Oktober ein "Befriedigend" aussprechen.
Schon ein Jahr später, konnten Gemeindevorstand und Feuerwehr eine in Wismar gebaute Handdruckspritze, feierlich von Lübeck nach Schlutup überführen. Ein Gewitterpiguett (drei Mann) wurde gebildet, das sich bei Gewitter im Spritzenhaus aufhalten mußte und gleichzeitig die Reinigung der Gurte und des Hauses übernahm. Jeder Mann erhielt dafür 6 RM im Jahr. Leider mußte auch bald ein Ehrengericht gebildet werden, um Streitigkeiten zu schlichten. Bei dem Brand des Hauses vom Gastwirt Spethmann konnte die junge Wehr ihre Tüchtigkeit beweisen.
1889 ruft der Hauptmann der Wehr H.L.Dillner, die Vertreter der Wehren des Freistaates Lübeck zusammen und gründet dort den Verband der Freiwilligen Feuerwehren des Freistaates Lübeck. Die Wehren von Behlendorf, Moisling, Reeke, Genin, Krempelsdorf, Nusse und Schlutup traten dem Verband sofort bei. Zum 1. Vorsitzenden wurde H.L.Dillner gewählt, der wegen seines Alters aber ein Jahr später sein Amt niederlegen mußte. Die Schlutuper Wehr ehrte ihren verdienten Gründer dadurch, daß sie ihn zu ihrem Ehrenmitglied ernannten. Noch 1889 gehörten neun Wehren mit 231 Mann dem Verband an. 1914 hatte sich ihre Zahl auf 311 erhöht. Kamerad Heinrich Niemann wurde zum Hauptmann der Schlutuper Wehr und Führer des Verbandes gewählt.
Höhepunkte in der Geschichte der Feuerwehren sind die Verbandstage. Am 14. Juni 1891 wurde die erste dieser Veranstaltungen in Schlutup durchgeführt. 114 Feuerwehrleute nahmen daran teil und konnten dem Senator Dr.Rittscher gemeldet werden, der als Gast der Feier beiwohnte. Im "Weißen Schwan" und im Gasthof "Zur Post" ging es hoch her. Diese Verbandstage gewährten bei allen angeschlossenen Wehren ein einheitliches Handeln im Falle der Gefahr und größte Hilfsbereitschaft. Unter Hauptmann H.Niemann entwickelte sich die Schlutuper Wehr, für die damalige Zeit auf ein hohes Nivau.
Aus "eigenen Mitteln" schaffte sich die Wehr so einen Mannschaftswagen, eine fahrbare Leiter, einen Schlauchwagen und einen "Minimarapparat"an. Bälle förderten die Kameradschaft, inzinierte Theateraufführungen brachten Überschüsse, die für die Neuuniformierung verwendet wurden.
Als am 21.März 1897 die Kaisereiche in Lauerholz gepflanzt wurde, beteiligte sich mit dem Krieger- und Gesangsverein auch die Schlutuper Wehr daran. 1902 konnte der 7. Verbandstag mit 42 Wehrleuten in Schlutup begangen werden.
Am 02.November 1902 bezog die Wehr,das durch den Opfersinn der Gemeinde erbaute "geräumige" Spritzenhaus in der Wesloer Straße. Gemeindevorstand und Gemeinderat waren bei der Einweihung zugegen.
1906 stifteten die sozialen Mitglieder ein neues Banner zum 25 jährigen Bestehen. 1909 unterstützten 65 soziale Mitglieder die Wehr.
1912 trugen die Kameraden den Gründer und ersten Führer der Wehr, H.L.Dillner, zu Grabe.
Am 01. April 1913 erfolgte die Eingemeindung Schlutups. Bei der Feuerwehr aber blieb alles beim alten, so hat es die Branddirektion in Lübeck angeordnet. Für die Zukunft aber sorgt statt des Gemeindevorstandes, die Behörde für das Löschwesen und das Polizeiamt in bester Weise für die Sicherheit des neuen Stadtteils. Branddirektor Grunwald aus Lübeck erwirbt sich große Verdienste um Schlutup.
Große Lücken in die Reihen der Kameraden reißt der Weltkrieg.1914 waren 26 Mitglieder bei den Fahnen, 1918 sogar 45. Um die Einsatzbereitschaft der Wehr zu sichern, wurden 20 Einwohner (frühere Kameraden und sonstige ältere Männer) eingestellt, die sich bestens bewährten. Immer wieder wurde den Kameraden im Felde Verpflegung, besonders Rauchwaren, nachgeschickt. Oft wohnten Urlauber von der Front den monatlichen Versammlungen bei. Zwei Kameraden, Langloh und Strehmel, kehrten aber niemals zurück, vergessen wurden sie nie ! Die Heimgebliebenen suchten zu helfen, wo sie konnten.
1915 konnte auch Hauptmann H.Niemann, aus Anlaß seines 25jährigen Dienstjubiläums, eine Ehrennadel überreicht werden.
1916 brach ein Feuer bei der Firma Katz & Klumpp aus. Dabei gingen die Pferde durch und zertrümmerten die Spritze. Von Lübeck wurde alsbald Ersatz geschafft.
Am 22.Februar 1919 erst, konnte der Hauptmann seine heimgekehrten Wehrmänner auf einer Versammlung begrüßen. Bald war die Wehr wieder stark und einsatzbereit (55 Mitglieder). Zum Andenken an die Gefallenen wurde deren Bild im Vereinslokal aufgehängt. Auf dem Verbandsfest in Israelsdorf wurde den Schlutupern eine 1200 Liter fassende Gusspritze durch Branddirektor Grunwald übergeben.
Schwer war das Inflationsjahr 1923 für das Bestehen der Wehr.Die monatlichen Beiträge wurden zuletzt auf 1 Million Reichsmark festgesetzt.
Hauptmann Niemann, der die Führung 34 Jahre inne hatte, sah sich aufgrund
seines Gesundheitszustandes gezwungen,zurückzutreten und legte am 24.März
1924 sein Amt nieder. Die dankbaren Kameraden ernannten ihn zum
Ehrenhauptmann. 1929 ist der verdiente, stehts opferbereite Mann gestorben.
In seiner Uniform trug man ihn zu Grabe. Sein letztes Geschenk war eine
Motorspritze. Unter ihm zählte die Wehr 71 Angehörige.
Niemanns Nachfolger wurde der Schlachtermeister Heinrich Ahrendt,
dessen Stellvertreter Heinrich Westphal.
Beider Verdienst war es, daß durch Spenden der hiesigen Industrie, eine
Motorspritze für 12 000 RM mit 1000 Meter Schlauch angeschafft werden konnte.
Der Schlutuper Hauptmann wurde gleichzeitig zum Führer des Verbandes
der Freiwilligen Feuerwehren gewählt. Viele Verbesserungen und Anschaffungen
wurden durchgeführt. Die Strahlrohrführer erhielten Ölröcke, das Gerätehaus
bekam elektrisches Licht, ein Steigerturm wurde errichtet, eine automatische
Alarmvorrichtung und verschiedene Feuermelder wurden angelegt.
Der 01.Oktober 1931 war ein Ehrentag der FF- Schlutup, sie konnte auf ein 80jähriges Bestehen zurückblicken. In den Jahren 1881 - 1931 hat die Wehr 638 Übungen abgehalten, 151 Brände bekämpft und ist 2343 mal alamiert worden. Viel Dank und Anerkennung waren der Lohn und oftmals wurde eine Prämie an die Kasse gezahlt. Der verrückten Jahreszeit wegen, wurde das Fest, an dem der ganze Ort innig Anteil nahm, schon am 30.August gefeiert. Durch festlich geschmückte Straßen maschierten im Festzuge 43 Wehren mit 700 uniformierten Feuerwehrleuten. Unter den Ehrengästen sah man auch den alten Branddirektor Muß, Branddirektor Grunwald und einen Vertreter des Senates. Hauptmann Ahrendt und seinem Stellvertreter Heinrich Westphal wurde das Feuerwehrkreuz 1.Klasse überreicht und dem Kameraden Barkenthien, für 50jährige aktive Dienstzeit von der Lübecker Löschbehörde, die silberne Staatsplakette. Aber die Wehr kannte keine Ruhe, rastlos wurde weitergearbeitet um die Schlagkraft und Tüchtigkeit ihrer Mitglieder auf der Höhe zu halten und nach Möglichkeit zu verbessern.
Im Sommer des Jahres 1937 trat Hauptmann Ahrendt,nach 37jähriger Dienstzeit, von seinem Amt wegen Erreichung der Altersgrenze zurück. Er wurde mit einem Apell, an dem die Schlutuper Löschzüge geschlossen antraten, auf dem Marktplatz durch den Ortsgruppenleiter P.Schnur, geehrt. Sein Nachfolger wurde Oberbrandmeister Carl Linning.
OFM Bensch