Bericht

Sinnvolle Aufgabe und schönes Hobby
 
"Bauverein aktuell" begleitete die Freiwillige Feuerwehr Schlutup bei einer Übung
 
Es ist 19.20 Uhr, als zwei Feuerwehrwagen mit Blaulicht und Martinshorn zum Firmengelände der Spedition Meining im Industriepark Schlutup rasen.
18 Freiwillige, darunter eine Frau, springen aus den Wagen.
 
Von Einsatzleiter Dennis Petersen erfahren die Gruppenführer der je neun Personen starken Besatzungen, dass es in einer der beiden großen Lagerhallen brennt und dass vier Personen vermisst werden.
 
Schnell teilen sie ihre Leute ein: Zwei Feuerwehrmänner laufen unter Atemschutz ins Gebäude, um die Vermissten zu suchen und zu retten, während andere ein so genanntes C-Rohr verlegen und den nächsten Hydranten suchen.
 
In der stark vernebelten Lagerhalle entdecken die Feuerwehrleute einen Bewusstlosen, der sofort nach draußen gebracht und so lange betreut wird, bis der Notarzt eingetroffen ist. Weitere Atemschutzträger laufen in die Halle -der Durchgang zum zweiten Raum ist versperrt, sie müssen durch einen vier Meter langen, dunklen Tunnel kriechen, um nach weiteren Vermissten zu suchen.
 
Was sich hier im Industriepark Schlutup abspielt, ist zum Glück kein bitterer Ernst, sondern lediglich eine Übung. "Etwa sechs bis sieben Mal im Jahr proben wir unter echten Einsatzbedingungen", erklärt Christian Kröger, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Schlutup. Zu Beginn des Trainings weiß auch er nicht genau, was sich auf dem Speditionsgelände, das ein ehemaliger Kamerad zur Verfügung stellte, abspielen wird.
 
Ausgearbeitet haben die beiden Freiwilligen Feuerwehrleute Dennis Petersen und André Möbius die Übung. Disco-Nebel, Knallkörper, der Tunnel aus Sperrholz-Paletten - ganz leicht haben sie es ihren Kameraden nicht gemacht. Drei Mitglieder der Jugendfeuerwehr Schlutup, die am Abend zuvor noch selbst im Schlutuper Hafen eines der wichtigen Trainings absolviert hatte, spielen die Vermissten, eine lebensgroße Puppe dient als viertes Opfer der Flammen.
 
Es ist 20.10 Uhr, als alle Menschen aus dem Gebäude gerettet sind. Der "Bewusstlose", Rolf Matthiesen (16), ist unter der Obhut von Feuerwehrmann Bernd Albrecht wieder zu sich gekommen, auf dem Gabelstapler haben andere Kameraden den leicht verletzten und verwirrten Christopher Schilling (16) gefunden, ein drittes Opfer haben die Männer und Frauen von der Freiwilligen Feuerwehr Schlutup ebenfalls noch rechtzeitig aus der stark verräucherten Lagerhalle befreit. Nur für die lebensgroße Puppe kommt jede Hilfe zu spät.
 
Derweil beginnen andere Helfer damit, die Lagerhalle von außen zu löschen. Auch das will schließlich geübt sein. Zudem reicht der Sauerstoff der Atemschutzausrüstung nur etwa 20 Minuten. 1.600 Liter Wasser für den Erstangriff haben die Freiwilligen in ihrem Löschfahrzeug mitgebracht, weiteres wird über die von den Kameraden verlegten Rohre vom nächsten Hydranten gepumpt.
 
Es ist 20.30 Uhr, als das Kommando "Feuer aus, aufräumen!" erklingt. Mit dem Verlauf der Übung sind Kröger und sein Stellvertreter Thorsten Persohn recht zufrieden. "Aber man sieht doch, wie schnell 18 Leute 'verdampfen' ", stellt Persohn vor allem mit Blick auf die Kameraden fest, die unter Atemschutz in der vernebelten Lagerhalle Schwerstarbeit geleistet haben und nun reichlich erschöpft sind.
 
Für den Ernstfall sind die insgesamt 35 Freiwilligen Feuerwehrleute aus Schlutup jedenfalls gerüstet. Meist, erklärt Christian Kröger, rückten die Freiwilligen Wehren - 23 davon gibt es in der Hansestadt Lübeck - gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr aus. "Die Zusammenarbeit klappt wirklich gut, wir treffen enge Absprachen, und vor allem zur Feuerwache 4 haben wir ein sehr gutes Verhältnis."
 
Aber warum opfert jemand wie der 32-jährige Kröger seine Freizeit für die Freiwillige Feuerwehr, riskiert unter Umständen gar sein Leben für andere, wo es doch die Berufsfeuerwehr gibt, die für diesen Job bezahlt wird? "Weil es eine sinnvolle Aufgabe ist, anderen zu helfen. Und weil hier eine tolle Kameradschaft herrscht. Es ist einfach ein schönes Hobby!"
 
Seit seinem elften Lebensjahr ist der heutige Wehrführer dabei, die ersten Jahre natürlich in der Jugendfeuerwehr.
 
Die hat in Schlutup übrigens 18 Mitglieder zwischen zehn und 17 Jahren und bietet, wie alle Nachwuchsorganisationen der Freiwilligen Feuerwehren, nicht nur jede Menge Spiel, Spaß und Abwechslung, sondern auch eine Grundausbildung für die spätere Arbeit als aktiver Feuerwehrmann oder aktive Feuerwehrfrau - und ist somit eine besonders vorbildliche Form der Jugendarbeit.
 
Die Schlutuper Jugendfeuerwehr trifft sich übrigens jeden Mittwoch von 18 bis 20 Uhr im Feuerwehrgerätehaus zu ihren Gruppen- und Übungsabenden.

Am Einsatzort verteilt der Gruppenführer Aufgaben an seine Kameraden, damit alles möglichst schnell und geordnet über die Bühne geht.
Wehrführer Christian Kröger erklärt die Pumpe des Löschfahrzeugs.
Im dichten Nebel der verqualmten Lagerhalle entdecken zwei Atemschutzgeräteträger den bewusstlosen Rolf Matthiesen.
Kein Geretteter darf allein gelassen werden, deshalb kümmert sich Bernd Albrecht um Rolf Matthiesen, bis der Notarzt eingetroffen ist.
Auch das Löschen will gelernt sein, deshalb wird in der Übung nicht nur so getan, als ob.
Eine starke Truppe: die Jungen und Mädchen von der Jugendfeuerwehr Schlutup.
Vielen Dank an den Lübecker Bauverein